Dennis Will genoss den Abend nach dem 4:1-Derbysieg gegen den 1. CfR Pforzheim und verweilte noch etwas länger im VIP-Bereich der Kleiner Arena. Um ihn herum sah man ausschließlich glückliche Gesichter. Kein Wunder nach der beeindruckenden Vorstellung im prestigeträchtigen Duell mit dem Oberliga-Rivalen.
Vor allem in der zweiten Halbzeit habe der FCN nahezu 100 Prozent seines Leistungsvermögens abgerufen, meinte Will. Besonders auffällig: Selbst in der 90. Minute marschierten die Nöttinger Spieler noch unermüdlich über den Platz. Auch spielerisch scheint der Fußball-Oberligist nach dem holprigen Saisonstart inzwischen seinen Rhythmus gefunden zu haben. Das 10:0 gegen Neckarsulm, das 3:1 gegen Ravensburg und nun das 4:1 gegen den CfR sprechen eine deutliche Sprache. Der Spielaufbau wirkt strukturiert, im Mittelfeld wird gefällig kombiniert und auch im Angriff klingelt es inzwischen regelmäßig im gegnerischen Kasten.
Die gute Kondition ist auf alle Fälle ein großer Pluspunkt der Nöttinger: „Wir haben im Training eine enorme Intensität. Alles, was wir machen, machen wir mit extrem viel Einsatz“, sagt FCN-Sportdirektor Riccardo Di Piazza. Cheftrainer Dennis Will erklärt, wie seine Mannschaft zu dieser Ausdauer kommt:
„Wir machen keine Waldläufe, sondern wir holen uns die Körner über Spielformen, in denen alles drin ist. Zweikampf, Wettkampf, Torabschluss. Das macht den Bambini Spaß und natürlich auch den Herren.“
Eine gehörige Portion Ausdauer werden seine Spieler auch am kommenden Sonntag benötigen, wenn der FCN um 15 Uhr beim Tabellenachten Karlsruher SC II antritt. „Die schlagen auch ein hohes Tempo an“, weiß Will. Schließlich trainiert der KSC-Nachwuchs fünf- bis sechsmal pro Woche auf Profi-Niveau.
Der Kader besteht aus zahlreichen U19-Spielern, wird aber auch durch einige ältere, oberligaerfahrene Akteure verstärkt. Das Durchschnittsalter liegt bei gerade einmal 22 Jahren. Wie die Nöttinger befinden sich auch die Karlsruher derzeit im Aufwind. Ihre vergangenen vier Partien haben sie allesamt gewonnen. Die Heimbilanz kann sich mit drei Siegen, zwei Unentschieden und nur einer Niederlage ebenfalls sehen lassen. Ganz anders die Auswärtsbilanz des FCN: Erst einmal durften die Nöttinger in der Fremde jubeln, fünf Mal gingen sie als Verlierer vom Platz.
Am Sonntag soll deshalb endlich der zweite Auswärtssieg her. Nach den jüngsten Erfolgserlebnissen reist der FCN auf jeden Fall mit breiter Brust nach Karlsruhe. Die Mannschaft scheint nun endgültig in der Saison angekommen zu sein. „Die Siege tun gut“, betont Will. Bis Weihnachten gelte es nun, möglichst viele Punkte einzusammeln. Denn auf „Wolke sieben“ schwebe man trotz der jüngsten Erfolge noch lange nicht. Dafür sei die Tabellensituation mit Platz 14 (12 Punkte) weiterhin zu unbefriedigend.
Verzichten muss Will am Sonntag voraussichtlich auf Khery Hamka, der sich im Derby Schulterprobleme zugezogen hat.
Text: Dominique Jahn (Pforzheimer Zeitung vom 22.10.26)


