Mit einer Runde Fußballgolf und Pizza auf der Terrasse der Kleiner Arena hat sich der FC Nöttingen kürzlich auf die neue Oberliga-Saison eingestimmt und gleichzeitig den Teamgeist gestärkt. Keine Sorge: Der Trainingsplatz hat jetzt keine 18 Löcher. Coach Dennis Will hat darauf geachtet.
„Spaß hat es gemacht“, berichtet der Nöttinger Coach. Überhaupt sei die Stimmung während der Vorbereitung hervorragend gewesen. Die zwölf Neuzugänge hätten sich schnell integriert und auch sportlich überzeugt. „Ich bin mit allen super zufrieden. Wir haben auf dem Transfermarkt gut gehandelt und uns auch in der Breite verstärkt“, sagt Will, der – wie schon in der vergangenen Saison – erneut einen großen personellen Umbruch bewerkstelligen musste. Dass dennoch Zeit benötigt wird, bis alle Abläufe perfekt funktionieren, sei völlig normal. „Da reichen fünf Wochen Vorbereitung nicht“, sagt der 40-Jährige. „Das wird ein Prozess bleiben.“
Entsprechend könne der Saisonstart durchaus etwas holprig verlaufen. In der vergangenen Runde holte der FCN aus den ersten fünf Spielen nur einen Punkt. „Wir waren in diesen Spielen aber keineswegs chancenlos“, erinnert sich Will. Weil er bei seiner Mannschaft diesmal „mehr Energie beim Verteidigen“ erkenne, blickt er dem Oberliga-Auftakt an diesem Freitag (19 Uhr) beim SSV Reutlingen dennoch optimistisch entgegen. Bis auf Felix Waldraff (Oberschenkelverletzung) stehen dem Trainer alle Spieler zur Verfügung.
Gleich zum Saisonstart wartet allerdings ein echter Härtetest. Der SSV Reutlingen zählt zu den Topfavoriten auf den Meistertitel. Die Mannschaft des ehemaligen CfR-Trainers Thomas Herbst hat sich unter anderem mit dem Ex-Nöttinger Stefan Zimmermann sowie den Ex-Pforzheimern Tim Schwaiger und Dennis Gudzevic verstärkt. „Sie haben auf dem Transfermarkt noch mal ins höchste Regal gegriffen“, weiß Will. Entsprechend hoch seien auch die Ansprüche.
Im ersten Saisonspiel werde vor allem „Körperlichkeit“ gefragt sein, betont der FCN-Coach. Gegen die Reutlinger Offensivkräfte Konstantinos Markopoulos und Marcel Sökler brauche es zudem eine konsequente „Boxverteidigung“. Sorgen macht sich Will deshalb aber nicht. Mit Melvin Avdic, der aus Neckarsulm gekommen ist, habe man einen Spieler verpflichtet, der eine enorme „Lust aufs Verteidigen“ mitbringe. Zudem verfüge der FCN mit David Trivunic, Thomas Bauer, Benedikt Fassler und Luca Companile über weitere starke Defensivspieler. Im Tor hat derzeit Thilo Marksteiner die Nase knapp vor David Mitrovic. Der Schlussmann habe sich in der Vorbereitung einen kleinen Vorsprung erarbeitet, erklärt Will.
Wer darüber hinaus in der Startelf stehen wird, wollte der Trainer nicht verraten. Sicher scheint jedoch, dass Rückkehrer und Kapitän Oguzhan Kececi sowie Stürmer Julian Bürkle dazugehören werden. Bürkle habe bislang ebenfalls einen starken Eindruck hinterlassen.Auf ein festes Spielsystem will sich Dennis Will auch in dieser Saison nicht festlegen. „Es ist wichtig, flexibel zu bleiben“, sagt er. Spielkontrolle, Ballbesitz, hohe Intensität und den Gegner zu Fehlern zwingen – das sind die Grundprinzipien, die seine Mannschaft auf den Platz bringen soll.
Genau das erwartet der Coach auch beim Auftakt in Reutlingen. Als Underdog sieht er sein Team trotz der Favoritenrolle des Gegners nicht. „Wir treten ja nicht mit der U17 an. Auch wir haben eine hohe Qualität und können jedem Gegner wehtun. Wir müssen nur mutig sein“, sagt Will.
Und wie lautet nun das Saisonziel? „Wir wollen natürlich so weit wie möglich oben landen“, erklärt der Trainer, der den FC Nöttingen in der vergangenen Saison auf Rang drei geführt hat. Zwei Schwergewichte wie der VfR Aalen und der VfR Mannheim gibt es in dieser Saison nicht. Deshalb erwartet Will ein ausgeglicheneres Meisterschaftsrennen. „Sechs oder sieben Teams können vorne mitmischen“, glaubt er. Neben Reutlingen zählt er auch mit Abstrichen die beiden Absteiger Bahlinger SC und TSG Balingen zum erweiterten Favoritenkreis. Ebenso traut er dem FC Villingen und dem TSV Essingen eine starke Saison zu. „Ich denke, es wird ein offenes Titelrennen bis zum Schluss“ – und in diesem möchte der FC Nöttingen möglichst ein gewichtiges Wort mitreden.
Text: Dominique Jahn (Pforzheimer Zeitung vom 06.08.26)


