Wie gut, dass es Tasos Leonidis gibt. Der in dieser Saison erfolgreichste Torschütze der gesamten Fußball-Oberliga Baden-Württemberg kann Spiele im Alleingang entscheiden – zumindest fast allein. So auch am Freitagabend in der heimischen Kramski-Arena beim 1:0-Triumph seines FC Nöttingen gegen den FV Ravensburg, im Duell des Tabellendritten gegen den Vierten. Aber ohne ebenso motivierte und bestens eingestellte Mannschaftskameraden ginge das alles nicht.
Schon in der achten Minute zeigt der 21-jährige ungewöhnlich wendige Grieche, dass er nicht zu halten ist. Drei gegnerische Akteure umtrickst er im Strafraum wie Slalomstangen und holt den entscheidenden Eckball heraus. Denn dieser landet ebenfalls bei ihm. Mit einem Traumtor, halb in der Rotation, halb im Fallen, zaubert er den Ball zum Treffer des Tages ins Netz. In der sechsten und somit allerletzten Minute der Nachspielzeit ist fast das 2:0 fällig, als Leonidis den eingewechselten Salvatore Catanzano auf die Reise schickt, der aber das Ziel verfehlt.
Die allergrößte Chance des Spiels vergibt jedoch aufseiten der Ravensburger Daniele Gabriele in der 77. Minute. Sein Gewaltschuss meistert Thilo Marksteiner mit einer Glanzparade, der damit einen genauso großen Anteil daran hat, dass die Lila-Hemden auf der Erfolgsspur bleiben. Dabei ist Gabriele, 31-jähriger deutsch-italienischer Akteur bei den Oberschwaben, der Kicker, der mit 16 Saisontoren Leonidis noch am nächsten kommt, der nun schon 21 Mal ins Schwarze getroffen hat.
„Ich bin froh, dass ich mit meinem Tor unsere Mannschaft für ihre starke Leistung belohnen konnte. Wir haben uns fest vorgenommen, zu null zu gewinnen und sind verdienter Sieger“, analysiert Leonidis im Gespräch mit der PZ die intensiven 96 Minuten.
Das mit dem „verdient“ ist so eine Sache. In der ersten Halbzeit agiert der FCN viel spritziger, überzeugt durch mehr Ballbesitz und taucht viel häufiger im gegnerischen Terrain auf. Nach der Pause liefern sich die beiden Kontrahenten um Platz drei jedoch eine Partie auf Augenhöhe. Verzeichnen die Remchinger schon in der zweiten Minute durch Felix Waldraff einen Pfostenschuss, können die Kicker aus der Spielestadt in der 55. Minute durch den 26-jährigen Deutsch-Türken Yilmaz Daler ebenfalls mit einem Aluminium-Treffer aufwarten. Überhaupt herrscht hüben wie drüben an aufregenden Momenten in Tornähe keine Mangelware.
Mit dem Nöttinger Sieg enden zugleich auch zwei kleine Serien: Seit fünf Partien wurden die Ravensburger nicht mehr bezwungen, während der FCN nach zwei Heimpleiten endlich auch wieder zu Hause an die starken Vorstellungen auswärts anknüpft. Damit kommen die Remchinger dem von Trainer Dennis Will ausgegebenen Ziel immer näher, als Dritter die Saison abzuschließen.
Doch bereits am Freitag, 22. Mai, 19 Uhr, kreuzt ebenfalls zu Hause mit dem TSV Essingen der Tabellenfünfte und somit der nächste Hochkaräter auf.
Text: Bruno Knöller (Pforzheimer Zeitung vom 18.05.26)


