Bisher beste Offensive gegen stärkste Defensive: Im Nachholspiel der Fußball-Oberliga trifft der FCN auf Aalen.
Wenn in der Nachholpartie der Fußball-Oberliga an diesem Mittwoch, 19 Uhr, der FC Nöttingen und der VfR Aalen in der Kleiner-Arena aufeinandertreffen, dann ist das Attribut Spitzenspiel alles andere als übertrieben. Der Tabellenvierte Nöttingen ist 2026 noch ungeschlagen, holte 16 von möglichen 18 Punkten, Aalen weist bisher die insgesamt beste Bilanz in dieser Saison auf. Und die Statistik gibt weitere Top-Werte her: Der Gastgeber stellt das aktuell offensivstärkste Team (64 Tore aus 25 Spielen), während die Gäste von der Ostalb die mit Abstand beste Defensive der Liga (15 Gegentreffer in 24 Partien) haben.
Klar ist die Vorfreude in Nöttingen aufs Duell mit dem Tabellenführer groß. „Das Spitzenspiel gegen einen guten Gegner haben wir uns erarbeitet in den letzten Wochen“, sagt FCN-Trainer Dennis Will, aus dessen Sicht der auswärts in dieser Saison noch unbesiegte VfR Aalen der Top-Favorit auf die Meisterschaft und den Aufstieg in die Regionalliga ist. Eine gewagte Einschätzung ist das nicht, denn der Kader des früheren Zweitligisten ist fast durchweg mit Spielern besetzt, die zumindest Regionalliga-Erfahrung mitbringen.
Einige waren noch höherklassig am Ball – wie die Defensivkräfte Thomas Geyer (zweite Bundesliga mit Ulm), Ali Odabas (zweite Bundesliga mit Regensburg) und Vico Meien (3. Liga mit Havelse) oder Offensivmann Benjamin Kindsvater (3. Liga mit 1860 München). Individuelle Qualität allein macht noch keine funktionierende Mannschaft. „Aber sie hilft“, sagt Will, der sich an das mit 0:2 verlorene Hinrundenspiel in Aalen erinnert und den Gegner mit Blick auf das zweite Duell erneut analysiert hat. Zur individuellen Klasse des VfR komme hinzu, dass das Team von Trainer Beniamino Molinari einen Plan verfolge und im Spiel des Spitzenreiters wenig auf Zufall ausgerichtet sei. Das Ergebnis sind eine beachtliche Konstanz und die Tabellenführung.
Gleichwohl ist Aalen nicht unverwundbar – vor wenigen Wochen verlor der VfR das Derby zu Hause gegen Essingen mit 2:3, obwohl der Spitzenreiter nach einem Platzverweis für den Gegner in der zweiten Halbzeit mehr als 30 Minuten in Überzahl war. „Wir haben Respekt vor Aalen, aber keine Angst. Wir müssen uns vor niemandem verstecken“, sagt der Nöttinger Coach. Und der Gegner werde nicht anreisen in dem Glauben, die Aufgabe so nebenher zu erledigen. Der VfR wird auf Widerstand stoßen. „Wir spielen, um zu gewinnen“, sagt Will. „Wir wollen unsere Serie fortsetzen und werden Aalen das Leben so schwer wie möglich machen.“ Klar ist für den FCN-Trainer aber auch: „Wir müssen in allen Bereichen eine Top-Leistung bringen, auch über unsere Grenzen gehen.“
Will steht dasselbe Aufgebot wie am Gründonnerstag gegen Villingen (2:1) zur Verfügung. Seine Startelf wird er aber wohl ändern. „Wir sind in einer englischen Woche und werden nicht drei Spiele in neun Tagen mit derselben Elf beginnen“, so der Trainer. Auch eine etwas andere Grundordnung sei möglich. Prinzipiell wird das Team um die Torjäger Tasos Leonidis (16 Saisontore), Salvatore Catanzano (13) und Matej Mijic (11) versuchen, nach vorn zu spielen, aber man werde „längere Phasen“ haben, in denen der Gegner den Ball hat und man „hinterherlaufen“ muss. Der offensivfreudige FCN wird wohl noch mehr als sonst defensiv gefordert sein.
Text: Andreas Wagner (Pforzheimer Zeitung vom 07.04.26)


